'Unterschiede im wirtschaftlichen Entwicklungsniveau und daraus resultierende Einkommensunterschiede einzelner Regionen existierten in China bereits vor 1978, wurden jedoch in der Mao-Ära als unvereinbar mit den sozialistischen Gerechtigkeitsvorstellungen betrachtet. Mit Beginn der Wirtschaftsreformen wurden bestimmte Regionen durch gezielte Maßnahmen in ihrer Entwicklung gefördert, da sie eine Lokomotivfunktion für die übrigen Regionen erfüllen sollten. [...] Trotz Verfolgung einer gleichgewichtigen Regionalpolitik war der absolute Abstand zwischen der reichsten und ärmsten Provinz Ende der siebziger Jahre bemerkenswert groß. Während beispielsweise die Provinz Guizhou 1978 ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von 156 Yuan aufwies, belief sich der entsprechende Wert für Shanghai auf 2247 Yuan und war damit um etwa das 14fache größer. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt von 315 Yuan Pro-Kopf-Einkommen war die Wirtschaftskraft in Guizhou um 50 Prozent niedriger und in Shanghai um 613 Prozent höher. Wird der Gini-Koeffizient als Maßstab zur Entwicklung der Einkommensunterschiede herangezogen, lässt sich eine starke Abweichung von einer anfänglich relativ gleichen Einkommensverteilung im Jahre 1981 (Gini-Koeffzient 0.288) hin zu einer deutlich ungleicheren Einkommensverteilung im Jahre 1995 (0.388) feststellen. Im internationalen Vergleich ist das Ausmaß der Einkommensunterschiede jedoch noch wesentlich geringer als beispielsweise in Lateinamerika und ungefähr gleich groß wie in anderen ostasiatischen Ländern [...] Die meisten Untersuchungen zur Entwicklung der regionalen Disparitäten kommen zu dem Ergebnis, dass zwar in der ersten Reformphase durch die positiven Wirkungen der Agrarreform eine Angleichung der regionalen Einkommensunterschiede eingetreten ist, dass sich jedoch seit Anfang der neunziger Jahre die regionalen Disparitäten vergrößert haben. Als Ursachen gelten das Ausmaß der weltwirtschaftlichen Integration, der Umfang der wirtschaftlichen Liberalisierung und vor allem auch die Wirtschaftsstruktur. Die stetige Vergrößerung der Disparitäten zwischen Küsten- und Inlandprovinzen wird auf die geringere Faktorproduktivität und das daraus resultierende niedrigere Wachstumstempo zurückgeführt. Die höhere Faktorproduktivität in den Küstenprovinzen ist vor allem mit umfangreicheren Bildungsinvestitionen sowie höheren Auslandsinvestitionen zu begründen.'[aus: Margot Schüller, Wirtschaft. in: Brunhild Staiger, a.a.O., S. 167 f.]
'Regionale Disparitäten entwickelten sich in den achtziger und neunziger Jahren in einem U-förmigen Verlauf: In der ersten Hälfte der achtziger Jahre kam es infolge lokaler Wachstumsraten im Agrarsektor zu einer Abschwächung der regionalen Disparitäten. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre führte der starke Industrialisierungsschub zu einem höheren Wachstumstempo in den Küstenprovinzen. Die rasche Wirtschaftsentwicklung zu Beginn der neunziger Jahre brachte zwar auch für die Zentral- und Westprovinzen Chinas höhere Zuwächse, aber mit dem Entwicklungstempo der Küstenprovinzen konnten sie nicht mithalten, sodass sich die Disparitäten weiter vergrößerten. Zu einer Ausweitung der regionalen Unterschiede trugen die Zuteilung von Sonderrechten und die Realisierung von komparativen Vorteilen der Küstenprovinzen bei. Ausschlaggebend waren vor allem ausländische Kapitalinvestitionen, die nur in bestimmte Gebiete flossen, und der jeweilige Umfang des nichtstaatlichen Sektors, der regional sehr unterschiedlich ist [...].'[Bettina Gransow, Gesellschaft. In: Brunhild Staiger, a.a.O., S. 190 f.] Karte des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf nach Provinzen (2004 in RMB Yuan)
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Für volle Bildgröße bitte klicken! Diese Karte wurde mittels des GIS-Programms ArcView 9.2 erstellt. Die Daten sind dem FISCHER Weltalmanach 2005, S. 96, und der Website china.org entnommen. | |
| Karte der Bevölkerungsdichte nach Provinzen | ||
![]() | Karte der Bevölkerungsdichte Chinas. Für volle Bildgröße bitte klicken! Diese Karte wurde mittels des GIS-Programms ArcView 9.2 erstellt. Die Daten sind dem FISCHER Weltalmanach 2005, S. 96 entnommen |
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Wirtschaftsräumliche Dreiteilung der VR China in Ost - Mitte - West
| Region |
Ost
|
Mitte
|
West
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Gesamt
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| Flächenanteil in % |
13,5
|
29,9
|
65,6
|
100,0
|
| Bevölkerungsanteil 1985 in % |
40,9
|
35,5
|
23,6
|
100,0
|
| Bevölkerungsanteil 1994 in % |
41,2
|
35,9
|
23,0
|
100,0
|
| Bevölkerungsdichte E/qkm 1985 |
324,0
|
127,1
|
44,7
|
108,4
|
| Bevölkerungsdichte E/qkm 1994 |
377,5
|
148,5
|
50,3
|
123,8
|
| BPW von Industrie und Landwirtschaft 1985 in % |
56,9
|
28,9
|
14,2
|
100,0
|
| BPW von Industrie und Landwirtschaft 1994 in % |
63,9
|
24,5
|
11,6
|
100,0
|
| VE/Kopf 1985 in % des Landesdurchschnitts (534 RMB) |
137,5
|
94,3
|
42,4
|
100,0
|
| VE/Kopf 1992 in % des Landesdurchschnitts (1694 RMB) |
134,7
|
77,3
|
66,7
|
100,0
|
| Ost: | Liaoning, Beijing, Tianjin, Hebei, Shandong, Jiangsu, Shanghai, Zhejiang, Fujian, Guangdong, Guangxi, Hainan |
| Mitte: | Heilongjiang, Innere Mongolei, Jilin, Shanxi, Henan, Anhui, Hubei, Hunan, Jiangxi |
| West: | Ningxia, Gansu, Shaanxi, Sichuan, Guizhou, Yunnan, Tibet, Qinghai, Xinjiang |
Quelle: Statistical Yearbook of China 1986, 1993, 1995. Aus: Wolfgang Taubmann, Naturräumliche Gliederung und wirtschaftsgeographische Grundlagen. In: Carsten Hermann-Pillath u.a.(Hrsg.), Länderbericht China. Bonn 2000, S. 52
Beispiele für Disparitäten in China:
![]() Einkaufszentrum in Kunming |
![]() Bauernmarkt in Kunming |
![]() Pferdegespann in Yunnan |
![]() Schnellstraße in Beijing |