Industrie in China

Wachstumszentren
der VR China

Quelle: FR vom 28.11.2003

Karte der ökonomischen Regionen Chinas

Industriepolitik in der VR China
Die chinesische Industriepolitik beruht auf folgenden Grundlagen:
  • Die Industrie ist Teil der "sozialistischen Marktwirtschaft". Dieser von Deng Xiaoping geschaffene Begriff bezeichnet den Versuch, den Aufbau einer Marktwirtschaft zu betreiben, ohne an den Besitzverhältnissen (insbesondere des Staates oder des "Volkes") etwas zu verändern. Heute wird darunter oft aber auch verstanden, dass die marktwirtschaftliche Ordnung mit dem Anspruch der KPCh verknüpft wird, weiterhin die politische Macht auszuüben.
  • Die Industrie ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Weil in der Industrie hohe Investitionsbeträge notwendig sind, gibt es hier (noch) wenig Privatbesitz. Die wichtigsten Besitzstrukturen sind:
  • Die bäuerlichen Betriebe sind mit die erfolgreichsten Industriebetriebe Chinas (als Beispiel die Radiofabrik bei Zhuhai). 1995 erzeugten sie fast die Hälfte der Industrieproduktion. Sie produzieren rein marktwirtschaftlich, d.h. sie sind an keinen Wirtschaftsplan gebunden. Oft gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen den technologisch meist nur einfach ausgestatteten Betrieben und den Staatsbetrieben. Der Vorteil für die Staatsbetriebe liegt darin, dass sie durch die Zusammenarbeit ihre eigene Fertigungstiefe senken und dadurch die Produktionskosten erheblich vermindern können.
  • Bei Gemeinschaftsunternehmen mit Ausländern gehen die beiden Vertragspartner - ohne dass dies genannt wird - von gegensätzlichen Zielsetzungen aus, was dann häufig zu Konflikten führt:
  • Entwicklung der Beschäftigung 1995 bis 1998 (in Mio.)

     
    1995
    1996
    1997
    1998
    Beschäftigte insgesamt
    679
    689
    696
    700
    davon: in den Städten
    191
    198
    202
    207
      Staatssektor
    113
    112
    110
    91
      Kollektivunternehmen
    31
    30
    29
    20
      Selbstständige
    16
    17
    19
    23
      Privatunternehmen
    5
    6
    8
    10
      Unternehmen aus Hongkong, Macao, Taiwan
    3
    3
    3
    3
      ausländische Unternehmen
    2
    3
    3
    3
    auf dem Lande
    489
    490
    494
    493
      Landwirtschaft
    325
    317
    322
    322
      Dorf- und Gemeindeunternehmen
    129
    135
    131
    125
      Privatunternehmen
    5
    6
    6
    7
      Selbstständige
    31
    33
    35
    39

    [Quelle: China Statistical Yearbook 1999, S. 133; zit. nach: Konrad Seitz, China - eine Weltmacht kehrt zurück. Berlin: Siedler 2000. S. 399]

    Das Herauswachsen aus der Staatswirtschaft
    Anteile der verschiedenen Unternehmenstypen am Wert der Bruttoindustrieproduktion in %
    Unternehmenstyp
    1978
    1990
    1996
    1997
    1998
    Staatsunternehmen
    78
    55
    36
    32
    28
    - städt. Kollektivunternehmen
    13
    15
    8
    38
    .
    Dorf- und Gemeindeunternehmen
    9
    20
    31
    .
    Privatunternehmen
    -
    5,4
    16
    18
    18
    Unternehmen anderer Eigentumsformen, darunter Unternehmen mit ausl. Kapitalbeteiligung
    -
    n.v.
    12
    13
    15
    [nach: Konrad Seitz, China im 21. Jahrhundert. Frankfurt 2000. S. 34]


    Die Bedeutung des sekundären Sektors bzw. der Industrie im volkswirtschaftlichen Rahmen
    Jahr
    Beschäftigte
    Wirtschaftsleistung
    absolut in Mio
    % aller Besch.

    absolut in Mrd. Y

     

    in % des BSP
    Industrie Baugewerbe Industrie Baugewerbe
    1960
    20
    7
    57
    8
    39
    5
    1970
    34
    10
    83
    8
    37
    4
    1980
    77
    18
    200
    19
    44
    4
    1990
    136
    21
    686
    86
    37
    5
    1998
    164
    23
    3343
    52
    42
    6

    [Quelle: China Statistical Yearbook 1999. zit.nach: Der asiatisch-pazifische Raum. = Mensch und Raum Geographie. Hrsg. von Dieter Böhn. Berlin: Cornelsen 2001. S. 90]

  • s. zu diesem Thema auch den Vortrag von Prof. Dr. Frank Münzel am 11.Juni 1998 in der Handelskammer Hamburg, Die Reform der Staatsunternehmen seit 1992
  • zu den chinesischen Aussenwirtschaftsstrategien ein Kolloquiumsreferat von N. Tomfohrde (April 1999)
  • Die Öffnung der VR China in die Weltwirtschaft ist Thema dieses Links.
  • Mit den Folgen des WTO-Beitritts der VR China befasst sich ein Artikel der FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 16.9.2000.
  • Eine sehr interessante und materialreiche Unterrichtseinheit des Kollegen Adalbert Niedenzu befasst sich mit der Automobilindustrie in China (Entwicklung, Situation, Perspektive)
  • Dieses Thema greift auch die Süddeutsche Zeitung am 22.5.2001 auf: Luxuskarossen für Maos Reich. In China sprengen die Verkaufszahlen für Luxuskarossen alle Rekorde. Die Produktion läuft auf Hochtouren.
  • Polo für die Massen heißt ein Artikel in DIE ZEIT 51/2001 zum zeitgleichen Bau des VW Polo in Deutschland und China.
  • Unter dem Titel "Im Reich des Wachstums" befaßt sich DIE ZEIT 22/2001 mit den Gründen für Chinas Wirtschaftsboom.
  • "China droht Kollaps am Arbeitsmarkt" berichtet das Hamburger Abendblatt vom 30. April 2002 und skizziert kurz Ursachen und Folgen.
  • Too Much, To Soon? [TIME Asia, November 2003]
  • Getting a Piece of the Action [TIME Asia, November 2003]

  • In der Nähe der SWZ Zhuhai hatten wir Gelegenheit, eine kleine dörfliche Fabrik zu besichtigen, in der Radios für den einheimischen Markt hergestellt werden


    Als Beispiel eines großen Staatsunternehmens kann das Stahlwerk Wuhan gelten, das im Norden der Stadt einen eigenen Stadtteil bildet. Es wurde 1958 gegründet, 1970 lieferte die Bundesrepublik ein Walzwerk (s. Begrüssung auf dem 2. Foto). Das Stahlwerk mußte eine bestimmte, durch den Plan festgelegte Menge Stahl und Stahlprodukte liefern, wobei die Kosten von sekundärer Bedeutung waren. Um diesen Lieferverpflichtungen nachkommen zu können, versuchte der Betrieb, möhlichst unabhängig von Zulieferern zu sein, d.h. es wurde eine möglichst hohe Fertigungstiefe aufgebaut. Zudem wurden dem Betrieb vom Staat alle Soziallasten aufgebürdet (Werkswohnungen, Kindergärten, Schulen, eine eigene Hochschule, Kliniken etc.). Die Folge war, dass nur ein Bruchteil der Beschäftigten in der eigentlichen Produktion beschäftigt war (und ist). Die in der Marktwirtschaft erhobene Forderung nach einer kostengünstigen Produktion kann von einem solchen Betrieb nicht erfüllt werden. Andererseits sind auch tiefgreifende Rationalisierungsmassnahmen nicht unbedingt erwünscht, da sie zu umfangreichen Entlassungen führen würden, was die latente soziale Unruhe noch verstärken würde. Aus Kostengründen werden daher oft die Aufwendungen für den Umweltschutz reduziert.

    Noch immer weist Mao vor dem Stahlwerk Wuhan den Weg...
    Im Innern des Stahlwerks Umweltbelastung durch starke Emissionen

     

    Eine Seidenfabrik in Chongqing: Sortieren der Kokons in Handarbeit und Spinnen der Fäden mit Maschinen

     

    © Hans-Peter Hein


    Zur ersten Seite | Bevölkerung | China-Karte | Klima | Klimakarte | Boden | Relief | Umwelt | Landwirtschaft | Industrie | Disparitäten | Wanderarbeiter | Statistiken | Städte | Menschen | Küche | Telefonkarten | China-Links | Arbeitsblätter | Puzzle | Literatur | Erdkunde-Links | Verschiedenes