Suzhou (Jiangsu)
1982 wurde Suzhou in die UN-Liste der 24 weltweit bedeutenden Kulturstädte aufgenommen; mehr als 7 qkm der 28 qkm grossen früheren inneren Stadt wurden unter den Schutz besonderer Vorschriften gestellt. Dennoch wurden im Zuge der Modernisierung zahlreiche die Stadt durchziehende Kanäle zugeschüttet, ganze Strassenzüge abgerissen, mehrgeschossige Hochhäuser errichtet, so dass vom einstigen Venedig des Ostens nur noch einzelne Reste erhalten geblieben sind. Der Erhalt bzw. die Restaurierung der Altstadt dürfte ziemlich aufwändig sein, so dass (wie häufig in China) der Abriss als die günstigere Lösung angesehen wird.
Weiterhin ist Suzhou berühmt für seine vielen sehr schönen Gartenanlagen.
Der Kaiserkanal, dessen älteste Teile seit 2400 Jahren genutzt werden, verband in der Tang-Dynastie (618-906 n.Chr.) Hangzhou mit der damals neuen Hauptstadt Dadu (heute Beijing). Mit 1.794 km war er der längste künstliche Wasserlauf der Welt. Dieser Kanal hatte nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische und kulturelle Bedeutung. Neben der großartigen technischen Leistung der Umgestaltung der Natur, die hierdurch dokumentiert wird, leistete er einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der kulturellen Einheit der Han-Chinesen.
Politisch ermöglichte der Kaiserkanal, dass China vom eher unfruchtbaren Nordrand des Reiches aus regiert werden konnte, immerhin eine Strecke von mindestens 1.500 km vom Wirtschaftszentrum Mittel- und Südchina entfernt! Große Mengen an Reis, Tee, Seide sowie die Bäume für den Bau der zahllosen Paläste und Tempel der Hauptstadt wurden auf dem Kanal nach Norden transportiert.
Heute kommt dem Kanal wohl eher eine regionale Bedeutung zu, v.a. auch dadurch bedingt, dass grosse Teile wegen Wassermangels nur saisonal schiffbar sind. Haupttransportgüter der oft in langen Schubverbänden fahrenden Binnenschiffe sind Baumaterialen und Kohle.
© Hans-Peter Hein