Der große Untergang
Jangtse: Der größte Staudamm der Welt ist in Betrieb. Ein 660 Kilometer langer See entsteht - die Heimat von einer Million Chinesen versinkt.
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Die Altstadt von Fengjie versinkt in den Fluten.
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dpa
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dpa/afp/ap -
Die Heimat von mehr als einer Million Menschen versinkt seit Sonntag in den Fluten des Jangtse-Stromes: Die ersten Schleusentore des Drei-Schluchten-Dammes wurden - wegen SARS - ohne große Feierlichkeiten geschlossen. Mit der Stauung des Jangtse in Zentralchina begann die Schlussphase des Baus des größten Wasserkraftwerkes der Welt, der im Jahr 2009 vollendet sein soll.
Das Projekt ist wegen der Umsiedlung, aber auch wegen der hohen Kosten, der befürchteten Umweltschäden und der Wasserverschmutzung heftig umstritten. Neun Jahre nach Baubeginn wurden 19 der 22 Durchflussröhren an der Unterseite des Dammes geschlossen. Der Wasserpegel stieg um 28 Meter. Bis Mitte Juni soll er auf 135 Meter steigen. Der Damm hat derzeit eine Höhe von 140 Metern, nach Fertigstellung soll er 185 Meter hoch sein und das Wasser auf 175 Meter Höhe aufstauen.
Das gigantische Wasserreservoir bildet einen 660 Kilometer langen See zwischen Sandouping in der Provinz Hubei und der Metropole Chongqing. Mehr als 720 000 Menschen mussten bereits ihre Heimat verlassen. Weitere 400 000 müssen folgen.
Kopfzerbrechen bereitet Ingenieuren die Verschlickung des Sees. Rund 530 000 Tonnen Schlamm führt der Jangtse jährlich. Bis zur Lösung des Problems muss der Schlamm immer wieder durch die 22 Abflusskanäle abgelassen werden. Der mehr als 20 Milliarden Euro teure Damm war 1993 gegen deutlichen Widerstand im Volkskongress gebilligt worden. Im August sollen die ersten Turbinen Strom produzieren. Wenn im Oktober zwei weitere Turbinen folgen, können dieses Jahr schon 5,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Im Endstadium wird das Kraftwerk 26 Turbinen mit 18 200 Megawatt haben. Zum Vergleich: Das AKW Philippsburg II in Baden-Würtemberg hat als eines der derzeit größten Atomkraftwerke 1400 Megawatt.
Da nach der Stauung des Jangtse 632 Quadratkilometer (Hamburg = 755 km²) überflutet werden, gehen viele archäologisch wertvolle Stätten verloren. Mehr als 7000 Experten versuchen in einem Rennen gegen die Zeit, Kulturschätze zu retten.
erschienen am 2. Jun 2003
in Aus aller Welt
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