China droht Kollaps am Arbeitsmarkt

Peking - China droht die schlimmste Arbeitslosigkeit seiner Geschichte. Die düstere Beschäftigungslage könne "durchaus die soziale Stabilität untergraben", warnte Vize-Arbeitsminister Wang Dongjin nach Angaben der Zeitung "China Daily". Er beklagte vor allem das starke Überangebot an Arbeitskräften und viele überflüssige Qualifikationen. Die offizielle Zahl der Arbeitslosen könne leicht mehr als 20 Millionen erreichen.
Ende 2001 waren 6,8 Millionen Chinesen arbeitslos gemeldet. Experten schätzen, dass die tatsächliche Arbeitslosigkeit weit höher liegt. Nach offiziellen Zahlen strömen jährlich zwölf bis 13 Millionen neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt - zusätzlich zu den bereits fünf Millionen Entlassenen der Staatsbetriebe.
Außerdem suchen nach Expertenangaben 150 bis 160 Millionen überschüssige Arbeitskräfte vom Lande in den Städten nach Arbeit. "In den nächsten vier Jahren wird China voraussichtlich den schwersten Arbeitslosendruck erleben, den es je gesehen hat", sagte der Vizeminister.
Die meisten Arbeitslosen und Entlassenen aus Staatsbetrieben seien nicht ausreichend qualifiziert; so sei es auch mit Arbeitern mittleren Alters mit geringer Bildung aus Bereichen wie Kohle, Textil oder Maschinenbau. "Die meisten der Entlassenen von Staatsunternehmen sind relativ alt, schlecht ausgebildet und unqualifiziert für neue Jobs", heißt es auch in einem "Weißbuch über Arbeit und soziale Sicherheit in China", das der Staatsrat vorstellte. "Deswegen ist es eher schwierig für sie, eine Arbeit zu finden." China hatte Ende 2001 eine Gesamtbevölkerung von 1,27 Milliarden Menschen - ohne Hongkong und Macao. (dpa/epd)
[Hamburger Abendblatt, 30. April 2002. S. 5]